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Ausstieg

Einstieg hinten. Auch gut. Oder? Diskutable Geste auf jeden Fall. Busfahrer sind die wahren Illuminaten dieser Zeit. Aggregatzustände des kollektiven Wohlbefindens. Industrialisierte Dienstleister als Sensorium zur präzisierten Messung subversiver Tendenzen busfahrender Lohnsklaven. Bei Bedarf mit Schnappschuss on demand. Lächeln nur im normierten Rahmen erlaubt. Ohne Bitte.

Worin lag nochmal der Charme der Städte? Mir bleibt er leider verwehrt. Flucht aufs Land scheint angezeigt. Im Reich der Ortstafeln gerät der Busfahrer außer Reichweite seiner Mutterstation, was sein Biophotonenkranz unmittelbar anzeigt und den Fahrgästen einen Anflug ihrer Göttlichen Natur ins Antlitz zaubert. Gott an Bord, alles ist gut. Es ist nicht leicht in Zeiten wie diesen unverwüstete und vor allem unbevölkerte Fleckchen zu finden. Zu viele sind es schon, hatte bereits mein Großvater festgestellt. Doch der Humus aus dem der Gedanke sich appliziert ist nahrhaft und voller wundersamer Verbindungen. Und so steig ich aus dem freundlich ein Abschiedslied zischenden Bus und freue mich. Das Leben ist nah, und eine tiefe Gewissheit fängt mich auf.
Am Anfang steht immer ein Ankommen, am Ende steht der Speichervorgang. Dazwischen liegt nichts als Information, inmitten von Allem. Auf dem Weg zu meinem Hof findet sich viel grüne Information, von österlich- bis Schweinfurt Grün, arsengeschwängerte Auferstehung. In allem Grün ist Leben das zentrale Thema, das Kommende ? das Scheidende - einerlei. Leben ist Grün. Die Schlacht von Magenta das complementum a priori. Und dazwischen unser kausales Dasein in Graustufen. Triumph der Schildbürger. Doch wenn man Weizensaat hohen elektromagnetischen Feldern aussetzt vollzieht sich eine Remutation und man erhält Urweizen. Ein Reset aus dem genetischen Langzeitspeicher. Eventuell arbeitet die zunehmende Dichte an Funknetzen für uns im Sinne der Devolution und erwirkt eine Reparametrisierung der Applikation Mensch mit der Konsquenz erweiterter Wahrnehmungs- und damit Kommunikationsfelder. bioCom 3.0. Und dann? ?Hören? wir das Wehgeschrei der Pflanzen! Was werden wir tun? Ihnen helfen? 4 Generationen - unter dem Getöse unzähliger Organismen - im demütigen Ausharren, den Söhnen Israels gleich, zur Wiedergutmachung aller Sünden? Nicht zu erwarten. Der Weg ist heute nicht mein Ziel, doch dieses liegt noch fern. Es war ein guter Tagesmarsch vom Bussteig zur Waldgrenze, von hier weg wird eines der Pferde mich in einem zwanzig minütigen Ritt zum Hof bringen. Da ist das Ziel, am Ende des Tages. In Dunkelheit.
Der Morgengesang der Waldvögel eröffnet mir den Tag. Danke euch! Nackt und frei inmitten der Waldvölker. Umringt von Leben, durchtränkt von Licht. Ich bin da. Das Ankommen.

Wir haben Anfang Mai. Die Walpurgisnacht zeigt schon ihre ersten Früchte und lässt die Wipfel der Nadelhölzer sprießen. Ein gutes Jahr. Knecht Rupert, der Nachbar, hatte schon vor gut 6 Wochen den Frühling verkündet, zwar war die Landschaft noch unter zentimeterdick verdichtetem Schnee, doch das Knospen der Buchen war ihm ein unweigerliches Signal. Auch an mich: Es wird Zeit!

Der Tag beginnt sich am besten barfuß, im vom Morgentau feuchten Gras. Und setzt sich mit zufriedendstellend geglücktem Hechtsprung in den Söll fort. Eintauchen in den wassergefüllten, einst von eiszeitlichem Toteis gehöhlten, Nabel der Natur. Umringt, umschlossen, behühtet und geschützt vom Uterus der regierenden Waldgesellschaften. Gehöre ich dazu? Bin ich durch mein Da-Sein Teil dieser? Wohl kaum. Selbst mein Zerfall würde in der Sukzession kaum ernstzunehmende Spuren hinterlassen. Doch werde ich biodynamisch agieren, Nahrung für allerlei kotschlemmerndes Bodengetier produzieren und nachhaltig das Nahrungsangebot in Form von Beeren, Pilzen, und Früchten dezimieren.

Es gilt die Saison zu nutzen, die Fragen nach symbiotischen Energieformen sind zu klären und die Umschichtungen und Eingriffe in den Quellgebieten des Umlandes sollten besser gestern als heute passieren. Jeder Tag zählt, bei gutem Timing werden die Hügelbeete in 12 Wochen die erste Kartoffelernte einbringen. Angedacht wäre, 3 der mindestens 9 Quellen in Form tiefgesetzter Wassergärten zu nutzen, Zonen mit autarkem Microklima und individuell ausgerichtetem Nutzpflanzenbewuchs zu schaffen. Die so entstehenden Terrassen werden mit üppig aufgeschütteten Hügelbeeten verbunden, welche den Südosthang wie Miniaturen der chinesischen Mauer durchziehn. Der stattliche Bestand an Mischgehölzen wird dem Unterfangen nur zuträglich sein und ausnahmslos erhalten. Am Fuße des Hanges beherbergt ein Erdstall die bereits angesiedelten Schweine, sie werden hier Sommer und Winter in angestammter Umgebung verbringen und die Hügel über sich durchpflügen und düngen. Die südwestlich breit auslaufende Talsohle bleibt vorerst als Weide- und Koppelfläche für die 2 Milchkühe und die Suffolk Punchs erhalten. Schon beim Holzschlag für die Renovierungsarbeiten am Wohngebäude haben diese Pferde ihre Qualitäten gezeigt, und die schweren Herzens zum Einschlag ausgewählten Kiefern spielend aus den unwegsamen Hängen gezogen. Der Einsatz schweren Geräts reduziert sich mit diesen gutmütigen Genossen auf ein Minimum. Den Rest wird Knecht Rupert mit seinem 82er Caterpillar erledigen. Er hatte es tatsächlich geschafft dieses Ungetüm mit einer Schaubergerschen Luftturbine zu betreiben, auf kupferlegierten Ketten. Überhaupt konnte er auf einen Fundus an dubios anmutenden Gerätschaften zurückgreifen, die allesamt ihre Wirksamkeit auch fern der rein mechanischen entfalteten. Das breit verwendete Kupfer hinterlässt im Abrieb Spurenelemente, baut die auf der Bipolarität von Erde und Atmosphäre beruhende Spannung im Boden auf und begünstigt die auf diesem fragilen, magnetischen Feld beruhenden Stoffwechselprozesse. Der Effekt war merklich, und vor allem nachhaltig wirksam. Hoch interessant waren auch die Anlagen zur Nutzung Freier Energien, angetrieben durch Medien wie Wasser oder Luft in geschlossenen Kreisläufen. Ich hatte bisher versucht mich der Thematik zu entziehn, wenngleich Rupert immer Interesse an der Vermittlung seines Wissens gezeigt hatte, doch war ich zu verstrickt in die Dinge dieser Zeit ? gelähmt darin. Jetzt war das Ende der Zeit angebrochen, soviel stand unweigerlich fest.