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Code, Text, Concept, Art

dynamische Leere

Leer
ist weder Form noch Farbe,
nicht Licht nicht Nässe oder Da oder Dort,
weder hier noch fort, 
unfassbar in Bild und Wort,
ein diesem hier gänzlich konträrer Ort, 
nicht sinnlich erfahrbar, gar schaubar
und doch so nahbar,
immanent nicht- 
und doch -existent.

Leer ist und ist nicht,
kompliziert und ganz schlicht: ...empfinden wir ein weißes Blatt

Papier als leer? Ja. Ist ein schwarzes Blatt Papier leer? Nein. Es ist schwarz selbst wenn es unbemalt ist. Das führt gleich zu dem überraschenden Schluß, daß das Weiß der Leere näher steht als das Schwarz. Wollen wir unsere 2 Blätter jedoch an dem Begriff "Nichts" vermessen wird uns das schwarze Blatt die schlüssigere Symbolik suggerieren. Warum? Was unterscheidet "Leere" vom "Nichts"? Nun, einen gültigen Dualismus zur Leere könnten wir wohl in der Fülle finden, zum Nichts im Etwas. Fülle ist ungemein definierter denn Etwas. Fülle entspricht dem Zeitgeist.

Sterben wir, tragen unsere Hinterbliebenden Schwarz, als Zeichen für das Nichts an Stelle unser. In Pakistan würde sich die Trauergemeinde in Weiß hüllen, hier wie da auch symbolisch für Unschuld und Reinheit. Damit verschmilzt Schwarz und Weiß in der Reinheit. Das Reine, das Absolute scheint die Leitmetapher - vielleicht aller Entwicklung -, wir vermessen uns und unsere Umwelt an solchen "Reinheiten", Geklärtheiten, Klar- und Bekanntheiten, an unserm Wissensschatz. Der wiederum besetzt sich wohl aus zahlreichen Möglichkeitsformen von Reinheiten, rezipierten wie selbstgenerierten die ihre Reinheit allein in unserer Autosuggestion - welche natürlich Resonanzkörper für die Umwelt ist - erfüllen. Da und dort erfährt die ein oder andere Reinheit Beflecknis, zerbröselt in einer Supernova mitunter. Doch was entsteht, ein Nichts, ein schwarzes Loch . wohl keine Leere. Das schwarze Loch birgt zumindest Fragen, damit ist es nicht leer. Wäre da Nichts, wüßte man nicht wonach man zu fragen hätte. Im kosmischen Blick aus der Zeit erscheint das Schwarz also in ähnlicher Fülle dem, in all seiner Reinheit weiß strahlenden Wandelstern einen lichtjährigen Moment vor seinem Zerbersten. In die Sterne geblickt verlieren Schwarz wie Weiß ihren Schrecken, beide widersinnen "Nichts". Unsern Nachbarn angeblickt bedeuten uns schwarze und weiße Bänder klar gesellschaftlich konventionierte Codes ala gut/schlecht. Ist unser zentraler Dualismus gut/schlecht? Bedingt die Balance dann nicht die beständige Unterstützung beider Seiten? Oder darf er schön/hässlich sein? Nur eine Abwandlung. Oder dynamisch/statisch? Leere fühlt sich doch irgendwie aktiv und dynamisierend an? "Nichts" mit Gewissheit statisch. Können wir "Leere" als Gegensatz von "Nichts" denken?
Das schwarze Loch hat eine prägnante Eigenschaft. Es grenzt sich ein. Dort wo es nicht ist grenzt es an etwas, damit bekommt es Kontur. Wir verwenden "Leere" umgangssprachlich sehr dynamisch, und wenn sich "etwas" bewegt grenzt es sich ein, denn die Bewegung bedingt, um sich zum wahrnehmbaren Phänomen zu manifestieren, den bewegten Gegenstand welcher wiederum, um sich als Gegenstand auszeichnen zu können, Kontur benötigt. Selbst der Wind grenzt sich in sinnlich erfahrbaren Böen ein. >>Den Trunk leeren<<, hingegen .. >>das führt zu nichts<< . impliziert ein stagnierendes, ja den Stillstand prophezeiendes Moment.

Damit sei die Lehre von der "dynamisierten Leere" vom Zaune gebrochen.